TANZEN IM KREIS

Seit über 20 Jahren choreografiere ich eigene Kreistänze und unterrichte sie in meinen Kursen. Die Gestaltung der Musik in eine gemeinsam bewegte Form macht mir viel Freude und verbindet meine Ideen von Er-leben in der Gemeinschaft, von Achtsamkeit und Meditation wie auch von persönlicher Bewegungsgestaltung. Die sich wiederholenden Bewegungen ermöglichen ein tiefes und bewusstes Erleben und Gestalten – zum Beispiel von Formen aus der Natur und der Geometrie. Sie laden ein, ganz im Jetzt präsent zu sein. Tanzend verbinden wir Bilder und Symbole aus alten Kulturen mit der heutigen Zeit und richten den Impuls weiter in die Zukunft.

Die Tänze sind gemeinsame Bewegungen im Kreis oder im Raum. Es können einfache Schrittfolgen sein oder auch komplexere Choreografien welche wir uns übend vertraut machen. In der Form des Kreises verbinden wir uns – manchmal mit den Händen -  oft auch «durch den Zwischenraum» mit unseren Mittänzerinnen und Mittänzern und sind so frei mit den Händen und Armen im eigenen Bewegungsraum, in der Schwingung der Musik. Von mir choreografierte Armbewegungen und Gebärden können die Choreografie-Formen erweitern und uns im Tanz und in der Symbolik neue Räume öffnen.

Seit einigen Jahren gestalte ich Choreografien, in denen verschiedene Formen ineinander getanzt werden können: Entweder sich im Kanon wiederholende Abläufe oder unterschiedliche Tänze, die im Zusammenspiel ein neues Ganzes ergeben.

Die Quellen meiner Inspiration sind vielseitig. Oft ist es die Musik und da finde ich immer wieder Musikstücke, die uns überraschen und einladen, genau hinzuhören und lebendig in der Musik und in der Bewegung zu sein. Ausserdem inspirieren mich Poesie und (spirituelle) Texte in Musik und Wort.

Einige Choreografien sind als Zyklen gestaltet; zum Teil sind sie musikalisch aus einem Werk heraus entstanden oder sie sind inhaltlich miteinander verbunden:

  • Musik von Giovanni Battista Pergolesi, Tänze zu allen 13 Stücken der Komposition

    Der Anfangsimpuls zur Entstehung meines ersten Tanzzyklus war die Musik. Bewegt von der Innigkeit und der Lebendigkeit dieser Musik sind 13 Choreografien entstanden. Die Tänze nehmen die Dynamik und Ruhe der Musik auf und vertiefen das Thema der Passion.

    «Stabat Mater dolorosa» ist der Anfang des bekannten Mariengebetes aus dem 13. Jahrhundert und bedeutet wörtlich «Die Mutter stand schmerzerfüllt». Auf eine sehr intensive und berührende Art wurde das Gebet vom jungen italienischen Barockkomponisten Giovanni Battista Pergolesi vertont.

  • Musik von Johann Sebastian Bach, Tänze zu allen 12 Stücken der Komposition

    Bachs Magnificat ist von unglaublicher Dichte in Musik und Stimmung. Die tänzerische Umsetzung des Werkes ermöglicht uns, die Musik und den Inhalt dieses Lobgesangs der Maria neu wahrzunehmen - im Raum und in der Bewegung zu erleben und zu beleben. Teile von Choreografien werden in jeder Gruppe neu und gemeinsam gestaltet.

    Bach hat das Magnificat zum Fest Mariä Heimsuchung am 2. Juli geschrieben und dann mit weihnächtlichen Stücken für die Adventszeit ergänzt (BWV 243 a). Später hat er das Werk wieder im Sommer aufgeführt und in D-Dur transponiert (BWV 243). Tanzend ist es inspirierend nicht nur verschiedene Interpretationen zu erleben, sondern das ganze Werk in zwei Tonarten zu hören und zu tanzen.

  • Musik von Johann Sebastian Bach, eine Auswahl von Kompositionen durch das Jahr

    Bachs Kantaten sind bekannte Begleiter durch das Kirchenjahr. Musikalisch sind sie ein ganzer Kosmos in sich. Zum Tanzen im Kreis habe ich einzelne Stücke daraus choreografiert als ein bewegter Impuls für die jeweilige Zeit. Es ist faszinierend für mich, wie unterschiedlich die Stücke sind: kräftig, rhythmisch, mit ruhigem Puls, fein, traurig, hoffnungsvoll... So sind sie eine Quelle für die eigene Bewegungsgestaltung wie auch für die gemeinsamen Formen in der Gruppe. Mit ihrer Verbindung zu den Stationen im spirituellen Jahreskreis können sie zu einem persönlichen Begleiter werden für Tänzerinnen und Tänzer auf ihrem eigenen Tanz-Weg. Thematisch und musikalisch geben sie auch stimmungsvolle Impulse für die Gestaltung von eigenen Kursen und Tanzgruppen.

  • Musik von Händel und Pärt, Gruppen-Choreografien und Raumwahrnehmung

    «Chorus» steht im Englischen für Gesangs- und Tanzgruppen und hat seinen Ursprung im griechischen Wort «Choros», welches «Tanzplatz, Reigen, tanzende Schar» bedeutet. Über den Tanz können wir als Gruppe in gemeinsame Bewegungen eintauchen, Schwingungen und Impulse aufnehmen und teilen.

    Mit Chorus möchte ich dieses Erleben durch Choreografien im Kreis und im Raum vertiefen. Der Aspekt des Chores wird musikalisch wie auch tänzerisch aufgenommen und umgesetzt: Die getanzten Stücke sind vor allem Chorwerke des Barockmusikers Georg Friedrich Händel und des zeitgenössischen estnischen Komponisten Arvo Pärt.

  • Choreografien zu Musik aus den verschiedenen Musikkulturen der Welt

    Die menschliche Stimme hat viele Facetten und Klangfarben, die sich eindrücklich in all den Gesangsformen und Liedern der Welt zeigen. Tanzend verbinden wir uns mit den verschiedenen Musikkulturen, hören und erleben Stimmungen, Rhythmen und Themen. Immer wieder inspirieren mich Musikstücke einer jungen Generation von Künstlerinnen und Künstlern, die sowohl in der Tradition wie auch in der heutigen Zeit verwurzelt sind und ihre Musik mit neuen Impulsen verbinden.

    Stimmen der Welt ist kein geschlossener Tanzzyklus, es ist vielmehr ein Themenkreis von neu geschaffenen Kreistänzen der sich in jedem Kurs auf lebendige Weise formt.

  • Dem Jahreskreis tanzend begegnen mit klassischer Musik und mit Musik aus aller Welt

    Als lebendiger Rhythmus begleiten uns die Jahreszeiten durch das Leben. Tanzend im Kreis erleben und gestalten wir ihre Stimmungen und ihre Vielseitigkeit als Bewegung und Wandlung. Jahresfeste und Achtsamkeit im Jahreskreis können unseren Alltag beleben und uns neu verbinden – miteinander, mit dem Jetzt und mit einem grösseren Ganzen.

    Seit vielen Jahren begleiten Vivaldis «Vier Jahreszeiten», Bachs Kantaten sowie Musikstücke aus aller Welt mein Schaffen und fliessen als musikalische und inhaltliche Inspiration in die Gestaltung dieser Kurse ein.

  • Neue Choreografie-Formen inspiriert von den Kompositionen des deutschen Pianisten

    Seit ich 2017 den Tanz «Lebenslinie» choreografiert habe, begleitet mich die Musik von Davide Martello in meinem Leben wie auch in meiner choreografischen Arbeit.

    Seine Musik inspiriert mich zu neuen Formen des Tanzens, anderen Bewegungsgebärden und Raumformen. Das Tanzen zu Klaviermusik hat etwas Klares und gibt viel Raum für die Gestaltung von Begegnung und Gebärden. Der Pianist Davide Martello reist seit über zehn Jahren mit seinem Flügel durch die Welt – auch in Kriegs- und Krisengebiete –, um mit seiner Musik die Menschen zu verbinden.